Bauträger pleite – was tun?
Das Problem:
Die aktuellen Preiserhöhungen für Rohstoffe und Baustoffe und der Mangel an Arbeitskräften für Baustellen können zur Insolvenz von Bauträgern führen. Denn sie haben ihre großen Projekte vor Kriegsbeginn kalkuliert und – zumindest zum Teil schon – verkauft. Der Baubeginn oder die Fertigstellung stehen noch aus, und die Kosten steigen dramatisch. Die Kostenerhöhungen können auch nicht durch Preiserhöhung der noch nicht verkauften Wohnungen ausgeglichen werden.
Wir raten daher:
- Überlegen Sie jetzt besonders gut, ob Sie in ein Bauprojekt investieren, das noch nicht fertiggestellt ist. Sie tätigen eine besonders spekulative Investition. Investieren Sie nicht Ihre ganzen Ersparnisse, denn es droht mehr denn je der Totalverlust. Wollen Sie sicher sein, kaufen Sie jetzt eine fertiggestellte Immobilie
- Achten Sie auf Anzeichen der Insolvenz: fordert der Bauunternehmer die Ratenzahlungen nach Baufortschritt zu früh an, obwohl der Baufortschritt noch nicht erreicht ist? Ist Betrieb auf der Baustelle, sieht sie gepflegt aus?
- Versuchen Sie, sich abzusichern durch Bankbürgschaft des Bauträgers oder eigene Baugarantieversicherung
Hintergrund:
Besonders gefährdet sind Käufer von Eigentumswohnungen, die aktuell zu Tausenden in deutschen Städten entstehen. Diese Großobjekte werden meist von Bauträgern angeboten. Das bedeutet, der Bauträger verkauft das Grundstück und die Wohnung zusammen.
Im Gegensatz zum Bauträgermodell gibt es auch das Generalunternehmermodell, das für den Käufer weniger riskant ist. Hier kaufen Sie selber das Grundstück und beauftragen dann ein Unternehmen, darauf zu bauen. Geht es pleite, behalten Sie wenigsten das Grundstück. Dieses Modell ist jedoch in den Innenstädten nicht möglich, da niemand mehr freie Grundstücke bekommt, daher konzentrieren wir uns auf das Bauträgermodell. Trotzdem sollten Sie überlegen ob Sie alleine oder sich mit anderen zusammenschließen, um ein Grundstück im Umland zu erwerben, wenn Sie jetzt investieren wollen. Und mit dem Bau durch Generalunternehmen beginnen, wenn die Kalkulationen wieder sicherer sind.
Insolvenz:
Ist der Bauträger insolvent, so hat eine Bank den ersten Zugriff auf das Grundstück und den Bau. Denn eine Bank hat das Projekt für den Bauträger finanziert. Sie entscheidet dann, ob und wie es weitergeht. Das Verfahren dauert viele Monate, und der Bau steht still.
Eine Möglichkeit besteht darin, dass die Bank den Käufern den unfertigen Bau überlässt, damit sie ihn selbst vollenden können. Dann müssen sich die Käufer einigen, ob und mit wem sie weiterbauen. Das ist bei einer Vielzahl von Miteigentümern sehr kompliziert, besonders, wenn der insolvente Bauträger auch noch Eigentümer von unverkauften Wohnungen ist.
Achten Sie auf Anzeichen:
Insolvenzen kündigen sich meist an. Beobachten Sie, ob die Baustelle in einem ordentlichen Zustand ist und Betrieb herrscht. Ist der Baufortschritt erreicht, wenn der Bauherr eine Ratenzahlung verlangt? Beauftragen Sie einen Bausachverständigen mit der Prüfung.

