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Mit 417-km/h auf der Autobahn ohne Tempolimit – ist das trotzdem strafbar?

Published time:2022/1/28     Views:289

Ein tschechischer Multimillionär ist mit 417 km/h – so schnell wie der Transrapid in Shanghai - mit seinem Bugatti Chiron über eine deutsche Autobahn gefahren und hat das Video über Youtube mit dem Titel „Bugatti Chiron on Autobahn“ geteilt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen ihn, obwohl es kein Tempolimit gab. Warum?

Sie hat Ermittlungen wegen eines mutmaßlichen illegalen Straßenrennens eingeleitet. Nach dem Strafgesetzbuch ist ein sogenanntes Alleinrennen strafbar, wenn sich der Fahrer „mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“ (§ 315 d StGB).

In dem Video ist zu sehen, wie ein Sportwagen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 417 km/h über die A2 schießt an.  

Zudem kann trotz Fehlen des Tempolimits die die Fahrt eine strafbare Gefährdung des Straßenverkehrs bedeuten (§ 315 c StGB). Dieser Strafvorschrift und auch der der Straßenverkehrsordnung liegt der Gedanke zugrunde, dass man nur so schnell fahren darf, dass man das Fahrzeug ständig beherrscht.

Wenn man das Video schaut, bekommt man den Eindruck, dass der Fahrer keine Kontrolle mehr über das Fahrzeug hat, auch wenn glücklicherweise kein Unfall passiert. 

Die Beschleunigung beginnt bei 177 Kilometer pro Stunde. Die Fahrbahn krümmt sich ein letztes Mal, wird zur Geraden, verengt sich zum Fluchtpunkt am Horizont hin. Der Fahrer drückt aufs Gaspedal. In gut 20 Sekunden beschleunigt sein Wagen jetzt von 200 auf 300 km/h, zischt auf der ziemlich leeren Fahrbahn an einem Auto vorbei, als hätte es dort nur gestanden. 350, 360, 370 km/h. Der Fahrer hält den Wagen irgendwo zwischen linker und mittlerer Spur, die Nadel klettert weiter, 398, 399, 400, Verkehrsschilder und überholte Autos fliegen jetzt vorbei wie im Computerspiel, da geht noch mehr, 410, noch ein bisschen mehr, 414, 415, 416, ganz kurz zuckt die Nadel auf 417 km/h. Das ist so schnell der Transrapid in Shanghai.

Der Kontrollverlust kann - auch bei bestens ausgestatteten PKWs – in mehrerlei Hinsicht entstehen. Der Anhalteweg beträgt bei dieser Geschwindigkeit und diesem Fahrzeug etwa 600 Meter (100 Meter Reaktionszeit und 500 Meter Bremsweg). Das ist zu viel, um auf unvorhergesehene Ereignisse noch zu reagieren. Ein Reh, ein Gegenstand auf der Fahrbahn, ein Auto, das die Spur plötzlich wechselt.

Auch ist es für andere Verkehrsteilnehmer unmöglich, diese Geschwindigkeit richtig einzuschätzen. Niemand muss und kann auf der Autobahn mit einer derartigen Geschwindigkeit rechnen. Im Rückspiegel, also auf einem zweidimensionalen Bild, ist sie nicht mehr erkennbar.

Auch wenn es kein allgemeines Tempolimit in Deutschland gibt, existiert eins praktisch mit der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Denn im Fall eines Unfalls spielt die Richtgeschwindigkeit vor Gericht eine große Rolle. Wer diese überschreitet, trägt im Falle eines Unfalls meist automatisch ein höheres Verschulden.

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